Förderverein für Psychomotorische Ganzheitstherapie e. V. (PSYGA)
Förderverein für Psychomotorische Ganzheitstherapie e. V. (PSYGA)

NF-Walker

als Gehübungshilfe für Kinder mit einer ausgeprägten Bewegungsstörung

Die grundsätzlichen Überlegungen hierzu erlaube ich mir, aus einem Artikel zu entnehmen, den ich bereits in zwei Fachzeitschriften veröffentlicht (1).

 

„Wer gehen lernen will, muss gehen“. Dieser Kernsatz der Lokomotionstherapie (Gehtraining über ein spezielles Laufband, welches auch Lokomat genannt wird. /2) gilt generell, unabhängig davon, mit welchem Hilfsmittel trainiert wird und auch, wenn ohne Hilfsmittel ein Gehtraining durchgeführt wird.  

 

Trotzdem müssen Vorüberlegungen sein: Die entscheidende Frage in der Therapie eines Kindes mit schwerer Mehrfachbehinderung ist sehr oft diejenige, zu welchem Zeitpunkt man ein Kind zum unterstützten Stehen und Gehen bringen kann bzw. darf. Die einzelnen Therapierichtungen beurteilen diese Frage sehr unterschiedlich. Während das sehr frühe Hinstellen auf die eigenen Füße bzw. die sehr frühe Vertikalisation die Gefahr der Skoliose birgt, läuft man bei einem Hinauszögern dieses Zeitpunktes Gefahr der Hüftreifungsstörung bis hin zur Hüftluxation, da die Hüfte zur korrekten Ausreifung entsprechende Reize benötigt. Insofern gilt es bei jedem Kind aufs Neue zu prüfen, ab wann mit der Vertikalisation, also der Aufrichtung in die Senkrechte, begonnen werden darf (3). Ein Punkt, der in dieser Frage häufig viel zu wenig Beachtung findet, ist die Meinung des Kindes dazu. Nur wer schon einmal erlebt hat, wie ein Kind, welches entweder garnicht oder nur mit schweren Mühen und unterstützt durch Helfer gehen kann, reagiert, wenn es in einer Gehübungshilfe die ersten selbständigen (mehr oder weniger vorsichtigen bzw. forschen) Schritte macht, kann verstehen, warum mir die Meinung des Kindes hierüber so wichtig ist. Auch Kinder die so stark behindert sind, dass sie ihre Gefühle nicht mit sprachlichen Ausdrücken wie „das kann ich alleine“ oder „gehen wie die anderen“ belegen können, spüren diese hinzugewonnene Selbständigkeit und reagieren dementsprechend freudig darauf.

 

Man benötigt allerdings zur Aufrichtung und zum Gehtraining die passende Gehübungshilfe. Diese sollte soweit wie möglich, aber nicht mehr als nötig die Aufrichtung und die Eigenbewegungen des Kindes beim Gehen unterstützen.

 

Wer sich eher für den genauen Aufbau des NF-Walkers bzw. dessen Wirkungsweise, welche im Rahmen einer Studie untersucht wurde, interessiert, sei auf die entsprechende Literatur hingewiesen (4,5).

 

Beim NF-Walker gelingt die Unterstützung nicht nur durch eine Stütze des Rumpfes, sondern auch durch ein Schienensystem entlang der Beine mit Verankerung an den Schuhen. Die hierdurch erreichte Stabilität bei gleichzeitiger Flexibilität zeichnet den NF-Walker aus.

Wobei ich betonen möchte, dass die Entscheidung, welche Gehübungshilfe bei welchem Kind eingesetzt werden sollte, jeweils ganz individuell getroffen werden muss. 

 

Sei es auf der Kirmes, sei es beim Gang in die Stadt, sei es bei einem Spendenlauf – der NF-Walker trägt dazu bei, dass auch schwerstbehinderte Kinder an Freizeitaktivitäten aktiv teilnehmen können.

 

Wir vom PSYGA haben geplant, demnächst auf dieser Homepage Erfahrungsberichte einzustellen. Sicherlich wird hierunter auch einer sein, der das Gehen mit dem NF-Walker betrifft. Es lohnt sich also, erneut vorbeizuschauen.

 

Dr. med. Christel Kannegießer-Leitner

 

Literaturverzeichnis:


1) KANNEGIESSER-LEITNER, C.: Der NF-Walker in der Rehabilitation von Kindern mit einer ausgeprägten Bewegungsstörung, Praxis Physiotherapie, April 2011; Praxis Ergotherapie, Oktober 2011

 

2) HESSE, S.: Lokomotionstherapie: Ein praxisorientierter Überblick, Hippocampus Verlag 2007

3) KANNEGIESSER-LEITNER, C.: Psychomotorische Ganzheitstherapie – ein Therapiekonzept für zu Hause bei Kindern mit Cerebralparese oder Mehrfachbehinderung,Sequenz Medien Produktion 2010

 

4) KÜNZLE, C., BRUNNER, R.:  Die Wirkungsweise der Geh-Orthese von Norsk Funktion auf die Gehfähigkeit von Kindern mit Zerebralparese und schwerer Gehbehinderung, Copyright © 2009 Amerikanische Akademie für Orthopäden und Orthopädietechniker.

 

5) BLACK, J.: Auf eigenen Füßen – Stehen und laufen für Kinder mit Bewegungsstörungen,  Motico – Motion  Communication, 2010, Schottland. Titel der Originalarbeit: Stand to be proud.

Kontakt:

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Sibyllenstr. 3

76437 Rastatt

 

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