Urlaub mit behinderten Familienangehörigen

Bei diesem Winterwinter wünscht man sich nichts sehnlicher als in die Sonne zu kommen. Viele von uns fangen deshalb schon an, ihren Urlaub 2010 zu planen. Deshalb möchte ich hier einige Tipps für die Urlaubsplanung mit behinderten Familienangehörigen geben.
Urlaub mit dem Flugzeug
Wenn Sie bereits ein passendes Hotel oder auch einen Pauschalurlaub gefunden haben, sollten Sie dies für Ihre Planung wissen
Auf allen Flughäfen werden besondere Hilfen für Behinderte angeboten. So sollte das Reisebüro oder die Fluggesellschaft bereits bei der Buchung über den Umfang der benötigten Hilfe informiert werden.
Es gibt eine Broschüre für behinderte Reisende, mit einer Übersicht der Hilfseinrichtungen sämtlicher deutscher Flughäfen sowie Anschriften über die Informationsbroschüren einzelner Flughäfen bezogen werden können bei:
ADV
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen
Geschäftsführun
Flughafen
70629 Stuttgart
Telefax: 0711-948 47 46
Urlaub mit der Deutschen Bahn
Zugänglich für Rollstuhlfahrer sind alle InterCityExpress(ICE), alle Interregio (IR) mit Bistrowagen und der gößten Teil der EuroCity (EC) und InterCity (IC). Solche Züge sind mit einem breiten Einstieg, einer behindertengerechten Toilette und der IR1 mit 2 Rollstuhlstellplätzen. Man erkennt diese Züge am Rollstuhlsymbol im Kursbuch und auf den Wagenstandsanzeigern auf großen Bahnhöfen.
Reiseauskünfte gibt es einheitlich unter der Telefonummer 19 4 19; in den neuen Bundesländern mit den Vorwahlen (030) oder (03834) in den alten Bundesländern in den Ortsnetzen großer Städte. Der Fahrplan der Deutschen Bahn ist auch auf Disketten oder CD-ROM bei der
Deutsche Bahn AG
Bestell-Center
Elektronische Medien
Postfach 1157
53821 Troisdorf
Tel.: 02241/ 94 77 77-8
Fax: 02241/ 94 77 99
Eine Reisevoranmeldung ist bei Schwerbehinderten zu empfehlen. Sie kann als formloser Antrag beim Abgangs-, Ziel- und Umsteigebahnhof abgegeben werden. (Dies ist auch über T-Online möglich.) Folgende Angaben sollten jedoch enthalten sein:
- Name und Anschrift mit Telefonnummer
- verwendete Hilfsmittel (z.B. eigener Rollstuhl)
- gewünschte Hilfsmittel am Bahnhof (z.B. Rollstuhl)
- Reisetag
- Zeit der Abfahrt bzw. Ankunft, Zug-Nr., Wagen-Nr.(bei Platzkarte)
- Zielbahnhof und etwaige Umsteigebahnhöfe
Ein Treff mit dem Betreuungspersonal am Bahnhofseingang ist möglich bei genauer Ort- und Zeitangabe. Der Betreuer übernimmt die Begleitung zum Bahnsteig, veranlaßt die erforderliche Begleitung bei Benutzung der gesperrten Schienenüberwege oder Lastenaufzüge und sorgt für die Unterbringung im Zug. Während der Fahrt hilft auch der Zugbegleiter bei Problemen.
Bei der Deutschen Bahn ist auch die Broschüre "Informationen für behinderte Reisende" mit weiteren Tips erhältlich.
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Passend hierzu unsere Erfahrungsberichte über London und Berlin
Berlin mit dem Rollstuhl

Im Sommer 2009 haben wir bei unserem erneuten Berlin-Besuch bewußt teilweise auf das Auto verzichtet, um einen Vergleich zu haben zur Behindertenfreundlichkeit mit der Stadt London.
Wir haben festgestellt, dass sich auch in Berlin auf diesem Gebiet viel getan hat. Sehr viele Bahnhöfe sind mit Aufzügen ausgestattet, es fahren auch Niederfloorbusse.
Auch in den Museen und anderen öffentlichen Gebäuden ist man jetzt besser auf behinderte Mitbürger eingestellt.
Besonders angetan waren wir von der Forschungs- und Gedenkstätte auch Stasimuseum genannt. Da der Zugang für Rollstuhlfahrer auf normale Weise nicht möglich war, hat man uns über ein Nebengebäude und dessen Aufzug extra in das Museum geführt. Der Mitarbeiter hat jedesmal gewartet, bis wir eine Etage durchgearbeitet hatten, um uns dann weiterzuleiten.
Das Museum selbst war sehr interessant.
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Hier residierte Stasichef Mielke.
Manu und ihr Neffe vor einer Marx-Büste
Auch im Reichstagsgebäude konnten wir ohne Probleme durch einen Extraeingang in die Kuppel kommen. Leider haben wir vermisst, dass man uns gleich darauf angesprochen hat. Wir mussten dies erst selbst herausfinden. In London wurden wir immer von selbst angesprochen und begleitet.

Manu und ihr Daddy in der Reichtagskuppel
Wir haben auch das Deutsche Technik-Museum besucht. Dies war sehr gut rollstuhlzugängig und mit Aufzügen ausgestattet.
Man kann sich als behinderter Berlin-Tourist vorab genau über die Rollstuhleignung der Museuen und Sehenswürdigkeiten informieren.
Man kann sich auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben einen Plan der U- und S-Bahnhöfe mit Aufzügen herunterladen.
Berlin bietet auch einen Begleitservice für behinderte Fahrgäste an.
http://www.vbbonline.de/index.php?cat=4&sCat=10&id_language=1
Wir haben auch erneut einen Abstecher nach Potsdam und Sanssouci gemacht. Die Parkanlagen selbst sind mit dem Rollstuhl sehr gut befahrbar.
Es ist Schieben angesagt.
Leider kann man die Schlösser und anderen Wohnanlagen mit dem Rollstuhl nur in den unteren Etagen begehen.
Sehr zu empfehlen ist ein Spaziergang in der Fussgängerzone in Potsdam.

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Ein völlig neues Urlaubserlebnis
– London mit Rollstuhl -

Endlich haben wir es gewagt – London mit dem Rollstuhl. Obwohl ich mich vorher ausgiebig kundig gemacht hatte unter anderem bei einer in London lebenden Rollifahrerin, war dann doch alles ganz anders.
Auf dem Flughafen Stuttgart und auch in London-Heathrow lief alles wie immer. Wir wurden vom Bodenpersonal bevorzugt behandelt, d. h. wir durften vor den anderen Passagieren einsteigen. Man hätte Manu auch bis zu ihrem Sitz getragen, aber das wollte mein Mann lieber selbst erledigen.
In London angekommen suchten wir erst mal den Schalter, an welchem wir unseren Voucher für die 6-Zonen-U-Bahnkarte eintauschen konnten. Das war etwas kompliziert, aber wir haben es dann doch hinbekommen.
Dann tat sich das erste Problem auf. Die Karte galt nicht, wie uns vom Reisebüro zugesagt war, für den Heathrow-Express nach Paddington. Wir mussten also umdenken. In der Tube wimmelt es nur so von Angestellten, die immer hilfsbereit sind. Ein älterer Herr erklärte uns dann genau, wie wir am besten mit der Tube nach Paddington kommen, ohne die Treppen nutzen zu müssen. Das bedeutete 3-mal umsteigen und ca. 40 Minuten Fahrt. Weil wir uns ja auf den jeweiligen Stationen erst zu Recht finden mussten. Zum Glück hatten wir aber eine alte Übersichtskarte aus 2005 dabei. Die Karte, die wir neu bekommen hatten, war so winzig beschriftet, die hätte jemand mit Sehproblemen niemals deuten können.
Dank Manus ausgezeichneten Englischkenntnissen haben wir auch immer den richtigen Lift gefunden. Die Beschilderung bezüglich der Lifte war miserabel. In Paddington angekommen fanden wir auch recht schnell zu unserem Hotel. Da konnten wir noch nicht einchecken, weil wir zu früh waren. Also machten wir erstmal einen langen Spaziergang durch den nahen Hyde Park. Das Wetter war superschön und heiß – völlig unenglisch. Wir nahmen noch ein paar Burger bei Mc D. zu uns und gingen wieder zum Hotel.
Das Hotel hatte, wie erwartet, einen Lift. Wir mussten in den 5. Stock, also unters Dach. Dort erwartete uns eine böse Überraschung. Das gebuchte Familienzimmer entpuppte sich als eine Art Besenkammer. Es gab nicht mal einen Schrank. In England kann man natürlich nicht unbedingt den deutschen Standard erwarten, das kannten wir ja schon. Aber das war echt der Hammer, schließlich kostete die Nacht 220,- €. Also wurde an der Rezeption reklamiert. Nach langem Hin und Her wurde uns ein Doppelzimmer angeboten. Dies war wesentlich größer und nachdem wir die Betten zusammengestellt hatten, gab es für uns drei einigermaßen Platz. Das Zimmer und das Bad waren sauber. Wir packten aus und machten uns wieder auf den Weg zum Hyde Park, den wir in Richtung Buckingham Palace durchquerten. Nach einem längeren Fußmarsch und qualmenden Füßen erreichten wir den Palast. Irgendwie hatten wir uns den größer vorgestellt. Er machte auch keinen wirklich freundlichen Eindruck. Kein Wunder, dass die Queen immer so ein miesepetriges Gesicht zieht, wenn sie in so einem Kasten wohnen muss.
Der nächste Morgen brachte dann wieder englisches Wetter und die nächste Überraschung. Das Frühstück, angeblich ein kontinentales, war gelinde gesagt unter aller Sau. Es gab nur Käse, verschiedene verpackte Marmeladen, Müsli, Gummiweckle, Eiswasser und Obstsalat aus der Dose. Der Hotelinspektor hätte hier seine Freude gehabt. Man konnte Kaffee und Tee haben, kein Kakao für die Kinder oder Saft.
Dafür standen 2 Personen herum und bewachten das Frühstücksbuffet. Ein älterer Kellner ging mit gesenktem Haupt schleppenden Schrittes durch den Raum. Wie wetteten immer, wann er wohl im Gehen einschlafen würde.
Nach dem opulenten Frühstück machten wir uns auf zur Tube. Wir mussten die Circle Line nehmen, weil wir nach Westminister wollten. Für den Zugang gab’s keinen Lift. Aber es gab, wie an jedem der folgenden Tage, freundliche Helfer. Noch niemals haben wir so viele hilfsbereite Menschen getroffen wie in London.
Als wir die Tube verließen, sahen wir zuerst das Parlament und Big Ben. Wir waren alle drei sehr beeindruckt.Mein Mann entdeckte gleich das London Eye und steuerte darauf los. Hier erfuhren wir zum ersten Mal, wie behindertenfreundlich man in London ist. Es gab überall Rampen und wir wurden sofort durchgewunken. Man war voll auf die Bedürfnisse der Behinderten eingestellt. Die Fahrt mit dem London Eye war ein tolles Erlebnis. In der Kabine gab es genügend Platz für den Rollstuhl und auch für Kinderwägen. Leider regnete es und war echt kühl. Da mein Mann und Manu nicht warm genug angezogen waren, kauften wir erstmal Sweatshirts mit Londonaufdruck. Wir besichtigten das Parlamentsgebäude und gingen zu Westminster Abbey. Für mich war Westminster Abbey das größte Erlebnis in London. Auch hier wurden wir wieder bevorzugt behandelt und gleich durchgewunken. Leider konnte Manu nicht alle Räume mit dem Rollstuhl befahren. Von Westminster Abbey liefen wir in Richtung Downing Street. Da war alles abgesperrt, man konnte nur die berühmte Tür sehen. Manu hielt ein Schwätzchen mit dem Polizisten, der den Eingang bewachte. Wir liefen weiter zur Nelsonsäule. Nachdem wir bei einem Italiener zu Mittag gegessen hatten, machten wir uns auf den Rückweg zur Tube.
Der nächste Tag sollte uns zu Madame Tussot bringen. Das war mit einigem Umsteigen verbunden, aber es fanden sich wieder Helfer. Auch bei Madame Tussot war man auf Rollstuhlfahrer eingestellt. Wir mussten uns extra anmelden, damit man im Brandfall weiß, wie viele Rollifahrer sich im Gebäude befinden. Wir konnten die einzelnen Ebenen mit einem Aufzug bewältigen. Allerdings herrschte im Inneren drängende Enge. Man konnte leider nicht alles sehen und es war auch schwierig, zu schauen und gleichzeitig den Rollstuhl zu schieben.
Es war aber besonders für Manu ein tolles Erlebnis und wir haben reichlich Fotos gemacht.
Wir sind dann noch in Notting Hill herumgelaufen und haben uns dann mit der Tube auf den Weg zu Harrods gemacht. War schon beeindruckend, aber da wir ja das KDW in Berlin gut kennen, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Auch dieser ganze zur Schau gestellte Luxus war mir irgendwie zu viel. Apropos Luxus, wir haben noch nie so viele Luxusautos wie in London gesehen. Durch den Hyde Park ging’s dann wieder zurück zum Hotel.
Für den letzten Tag hatten wir den Tower auf dem Programm. Wir waren schon voller Vorfreude, da wir ja an Geschichte sehr interessiert sind. Der Tower selbst war auch echt beeindruckend. Leider konnte Manu wieder nicht alles befahren, was ja wegen der Enge bestimmte Räume und Treppen logisch war. Wir haben aber trotzdem sehr viel sehen können. Zu unserem Erstaunen, hatte man Teile der Tower Bridge weiß-blau angestrichen, das sah echt blöd aus.
Was uns aber am nachhaltigsten geschockt hat, war die Tatsache, dass rund um den Tower so viele Bausünden begangen wurden. Hotels, Banken und so weiter rund um den Tower. Das ist wirklich eine Schande. Ähnliches haben wir ja in Deutschland rund ums Brandenburger Tor.
Ein Bummel durch das Bankenzentrum hat dann den Tag beendet.
Am nächsten Tag ging’s dann wieder via Heathrow nach Stuttgart.
Unser Fazit:
Wenn man gut plant, dann ist London mit dem Rollstuhl machbar. Es ist vor allem wichtig, sich vorher mit dem System der Tube auseinanderzusetzen. Wenn man erstmal raus hat, wie das funktioniert, dann kann man es so einrichten, dass man mittels Umsteigen fast immer eine Möglichkeit hat, Treppen bzw. Rolltreppen zu vermeiden. Wenn man aber Treppen nehmen muss, kann man mit der Hilfsbereitschaft der Londoner rechnen.
Fast alle Sehenswürdigkeiten bieten den auch in Deutschland üblichen Rabatt für Behinderte, also der Behinderte zahlt weniger die Begleitperson ist frei. Man wird immer durchgewunden und im Gegensatz zu Deutschland regt sich darüber keiner auf.
Wer gut zu Fuß ist und auch kräftig im Rollischieben, kann im Zentrum auch viel zu Fuß erreichen.
London lohnt sich auf jeden Fall.